Das Foto stand schon lange auf der Fensterbank, ohne dass jemand es wirklich ansah. Es zeigte drei Menschen vor einem niedrigen Haus, dahinter Bäume und ein heller Himmel.
Als Jonas an einem Sonntagmorgen die Pflanzen goss, fiel ihm zum ersten Mal der Weg neben dem Haus auf. Er wirkte vertraut, obwohl er den Ort nicht benennen konnte.
Seine Tante wusste nur noch, dass das Bild auf einer Reise entstanden war. Der genaue Ort war in der Familie verloren gegangen, weil niemand damals daran gedacht hatte, etwas auf die Rückseite zu schreiben.
Jonas begann, alte Aufnahmen zu vergleichen. Nicht mit großer Dringlichkeit, eher aus Neugier. Ein Zaun, ein Fenster, die Form eines Daches – Stück für Stück ergab sich ein Bild.
Am Ende fanden sie den Ort nicht sicher. Doch die Suche war trotzdem nicht umsonst. Sie führte zu Geschichten über Ferien, lange Autofahrten und Menschen, deren Namen fast vergessen waren.
Das Foto blieb auf der Fensterbank. Aber nun sahen sie es anders: nicht als Dekoration, sondern als stillen Anfang vieler kleiner Fragen.



