Das Foto zeigte eigentlich nur einen Frühstückstisch: Brot, zwei Tassen, ein Glas Marmelade. Es war eines dieser Bilder, die man macht, weil der Morgen freundlich aussieht.
Erst später bemerkte Paul das Spiegelbild im Fenster. Darin war seine Schwester zu sehen, wie sie am anderen Ende des Raumes einen Blumenstrauß auf den Tisch stellte.
Das Bild wirkte dadurch anders. Nicht gestellt, nicht geplant, sondern wie ein kleiner Ausschnitt aus einem Morgen, der nebenbei passiert war.
Seine Schwester mochte das Foto mehr als die Aufnahmen, auf denen alle ordentlich in die Kamera sahen. “Da bin ich wenigstens wirklich beschäftigt”, sagte sie lachend.
Das Spiegelbild wurde zum Grund, das Foto nicht zu löschen. Es zeigte nicht nur das Frühstück, sondern die Stimmung dahinter.
Manchmal sind die besten Teile eines Fotos nicht im Vordergrund. Sie stehen am Rand, im Glas, im Schatten oder dort, wo man zuerst nicht hinsieht.



