Das Ferienhaus war schlicht. Zwei Zimmer, eine kleine Küche, ein knarrender Holzboden. Nichts daran war besonders eingerichtet oder besonders modern.
Doch im Schlafzimmer gab es ein schmales Fenster, das direkt auf eine Wiese zeigte. Jeden Morgen fiel das Licht anders hinein, manchmal grau, manchmal golden, manchmal fast weiß.
Nina gewöhnte sich schnell daran, vor dem Frühstück ein paar Minuten dort zu stehen. Sie sah keine spektakuläre Landschaft, nur Gras, einen Zaun und gelegentlich einen Vogel auf einem Pfosten.
Gerade das machte den Blick so angenehm. Er verlangte nichts. Kein Foto musste gemacht werden, kein Ziel erreicht, keine Route geplant.
Am letzten Tag stellte ihr Mann die Taschen schon vor die Tür. Nina blieb noch einmal am Fenster stehen und merkte, dass sie diesen kleinen Ausschnitt mehr vermissen würde als den Strand.
Nicht jeder Ausblick muss groß sein. Manche bleiben, weil sie den Tagen einen ruhigen Anfang gegeben haben.



